Von zwei Seiten in den Untergang – öffentlich-rechtlich und alternativ
Es war das Jahr 1945, als sich die Menschen Folgendes in die Präambel der UNESCO-Verfassung schrieben: „Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden.“
Einer der Gründe dafür mag das Wissen gewesen sein, dass Kriege nicht erst auf dem Schlachtfeld entschieden werden, sondern bereits vorher in den Köpfen derer, die dort verbluten sollen.
Es sind die sogenannten alternativen Medien, denen das Verdienst gebührt, dieses Konzept des Angstmachens ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt zu haben und die Tatsache, dass es die Menschen lenkbar macht. Und dass die öffentlich-rechtlichen Medien und die der großen Konzerne genauso mit voller Absicht arbeiten, denn das Geschäft mit der Angst spült Geld in die Kassen.
So rücken die alternativen Medien Falschmeldungen gerade – behaupten sie – und oftmals stimmt das auch. Sie liefern Argumente, korrekte Begründungen, Fakten und klären über Fakes auf. Manchmal verzichten sie sogar auf Wertungen, Framing und Einordnung. Manchmal …
Doch ändert das etwas?
Genau betrachtet, führen sie ebenfalls einen Krieg um die Köpfe und sie tun es mit den gleichen Methoden, nur von der anderen Seite des Grabens – sie spielen das Spiel nach den gleichen Regeln. Denn es gibt keine richtige oder falsche Angst. Vielleicht gibt es richtige oder falsche Gründe – aber das interessiert die Angst nicht. Sie ist da, im Kopf, frisst die Seele auf und wird jeden Tag aufs Neue gefüttert durch den Konsum der Medien – von beiderseits des Grabens.
Wenn die Menschen lesen, dass der Blackout kommt oder nicht; die Inflationsrate steigt oder nicht; Russland angreift oder nicht: Es bleibt nicht das „oder nicht“ im Kopf, sondern: Blackout, Inflation und Russland. Ohne Alternative. Ohne die Aussicht auf ein Morgen, an dem die Sonne strahlend aufgeht über einer Welt, in der es noch Dinge gibt, die in Ordnung sind.
Wozu sind dann also die „alternativen“ Medien in ihrem gegenwärtigen Zustand eine Alternative? Wozu wollen sie es sein? Natürlich haben sie einen – selbst gestellten – Informationsauftrag. Aber kann dieser Auftrag wirklich darin bestehen, an jenen Mauern mitzubauen, die Menschen im eigenen Kopf gefangen halten? Eine Mauer ist eine Mauer, und niemanden interessiert am Ende, ob auf ihren Ziegeln „FAZ“, „Spiegel“, „Tichys Einblick“ oder „Achgut“ steht. Nicht, wenn der Unterschied nur noch rein akademisch ist.
Die Medien beider Seiten behaupten, den Menschen die Augen zu öffnen und ihnen die Wahrheit hinter den täglichen Lügen zu zeigen. Aber wozu die Augen öffnen, wenn alles, was man dann sieht, die Angst nur vergrößert?
Die Alternative zu Krieg ist Frieden, die zu Unglück ist Glück, und die Alternative zu der geistlos hinter jeder durch das Dorf getriebenen Sau herhechelnden Masse sind jene, die das verweigern. Menschen, die forschen, erfinden, das Leben bejahen und sich dem Druck nicht beugen. Die Alternative zur Angst ist nicht die Gegenangst, sondern der Mut. Der Mut zum Leben. Über ihn lohnt es sich zu berichten – und über das, was er erreichen kann.
Jürgen Klopp hat sinngemäß einmal gesagt, die Lust zu gewinnen motiviere viel besser als die Angst vor dem Verlieren.
Wenn ich heute Zeitung lese oder den Fernseher einschalte und die Linie zu Ende denke, komme ich zu dem Schluss: Wir haben verloren, und zwar alle. Doch ich will das nicht glauben. Ich will gewinnen. Meine Kinder wollen gewinnen und deren Kinder auch. Und seien es nur Momente unbeschwerten Glücks, in denen die Sorge vor dem Morgen verschwindet, die Brust sich weitet und das Lächeln auch die Augen erreicht.
Wenn ich den Blick meiner Frau spüre, einen Sonnenuntergang über dem Meer betrachte – dann weiß ich, was das Leben lebenswert macht und dass mein Kopf nicht länger ein Kriegsschauplatz der Medien – egal welcher – sein darf. Denn die Geschichte der Menschheit ist nicht nur eine Geschichte von Kriegen und Klassenkämpfen. Sie ist vor allem eine Geschichte von Menschen, die ihre Angst überwunden haben. Immer wieder.
Andere Medien nur zu bekämpfen, richtigzustellen und aufzuklären, reicht nicht mehr aus. Liefern Sie keine Ziegelsteine mehr für die Mauern – liefern Sie Werkzeug. Als 1989 die Mauerspechte mit Hammer und Meißel auf die Berliner Mauer losgingen, war sie in ihren Köpfen schon längst gefallen.
Finden Sie die Fenster – und es gibt sie –, hinter denen das Licht noch immer leuchtet. Und öffnen Sie sie für die Menschen.
Rainer Sohnberg
Freier Autor & Publizist
[Millstatt / Kärnten]






